Sommerhof

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wurde das Transformationspotenzial des Sommershofs in Köln-Rodenkirchen untersucht. Ziel war es, aufzuzeigen, wie ein in die Jahre gekommener Wohn- und Geschäftskomplex durch gezielte architektonische Eingriffe wieder zu einem lebendigen und identitätsstiftenden Ort im Stadtteil werden kann.
Hierfür analysierten wir zunächst die historische Entwicklung des Gebäudes, seine städtebauliche Einbindung, die Erreichbarkeit, die Gebäudestruktur sowie aktuelle Herausforderungen wie Leerstand, mangelnde Aufenthaltsqualität und die Auswirkungen des veränderten Einzelhandels. Ergänzend führten wir eigene Verkehrszählungen, eine Umfrage mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Gespräche mit lokalen Akteuren durch. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für unseren Entwurf.

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit war dabei nicht nur die theoretische Analyse, sondern auch die aktive Auseinandersetzung mit dem Gebäude. Im Rahmen der Rodenkirchener Kunstmeile konnten wir einen leerstehenden Raum im Sommershof selbst bespielen und dessen Potenzial unmittelbar erlebbar machen. Gemeinsam mit einer Realschule sowie einer Künstlerin aus dem Bürgerverein entstand eine Ausstellung, die den Ort wieder mit Leben füllte und große Aufmerksamkeit bei Besucherinnen und Besuchern, der lokalen Presse sowie Fachleuten erzeugte.


Aus diesem temporären Projekt entwickelte sich ein nachhaltiger Impuls: Heute finden im Sommershof jeden Mittwoch Kunstworkshops statt, die den Standort kontinuierlich beleben und zeigen, dass kulturelle Nutzungen einen wichtigen Beitrag zur Aktivierung des Gebäudes leisten können. Diese Erfahrung bestätigte unseren Entwurfsansatz, Leerstände nicht als Problem, sondern als Chance für neue gemeinschaftliche und kreative Nutzungen zu verstehen.
Auf Grundlage aller Analysen entschieden wir uns bewusst gegen einen Abriss und für die nachhaltige Transformation des Bestands.
Den Kern unseres Entwurfs bildet eine eigens entwickelte Toolbox, die als flexibles Planungs- und Entwurfsinstrument dient. Sie fasst verschiedene architektonische und städtebauliche Maßnahmen in einem Baukastensystem zusammen und ordnet sie drei zentralen Interventionen zu: der Schaffung einer durchgehenden städtischen Achse, der Aktivierung der Dachflächen sowie der Neugestaltung der Gebäudehülle.

Die Toolbox umfasst unter anderem Durchbrüche, Anbauten, Dachausschnitte, neue Nutzungen, Fassadenanpassungen sowie technische und räumliche Eingriffe. Dadurch entstand kein starres Konzept, sondern ein flexibel anwendbares Werkzeug, mit dem gezielt auf die unterschiedlichen Defizite des Sommershofs reagiert werden kann.



Auf Basis dieser Toolbox entwickelten wir schließlich ein ganzheitliches Transformationskonzept. Eine neue Passage verbindet den Rhein mit dem Maternusplatz und verbessert Orientierung sowie Aufenthaltsqualität. Ergänzt wird sie durch Marktflächen, eine multifunktionale Aula, Künstlerateliers, öffentliche und begrünte Dachflächen, nachhaltige Energiekonzepte sowie eine identitätsstiftende Fassadengestaltung. Der Entwurf zeigt, wie der Sommershof durch schrittweise und gezielte Eingriffe wieder zu einem offenen, vielfältigen und lebendigen Stadtbaustein werden kann. Die Toolbox bildet dabei das zentrale Werkzeug unseres Entwurfs und verdeutlicht, dass Transformation kein einmaliger Eingriff, sondern ein langfristiger Prozess ist, der vorhandene Potenziale aktiviert und den Ort nachhaltig weiterentwickelt.

