Komm zur Sache, Reparatur im Kontext der Architektur

Inspiriert durch einen Fachdiskurs stellen wir den Begriff „Reparatur“ in den Fokus und untersuchen ihn im Kontext eines leerstehenden Gebäudes in Bonn Kessenich – dem Schwesternhaus. Einige Oberbegriffe tauchen dabei immer wieder auf und gliedern unser Projekt.

Vergänglichkeit
Unsere gebaute Umwelt altert und vergeht in jedem Moment. Alles, was wir nicht aktiv erhalten, nutzen oder pflegen, vergeht mit der Zeit. So sind wir auf ewig dazu „verdammt“ unsere Umwelt neu zu gestalten, in standzuhalten und zu reparieren.
Das Schwesternhaus steht vermutlich seit über 20 Jahren leer. Ohne Nutzung hat das Gebäude Schaden genommen und verfällt immer weiter. Am Beispiel einer Deckenlampe wird uns dieser Prozess schmerzlich bewusst. Zum Anfang der Untersuchungen hängt sie noch an der Decke und fasziniert, da sie mit Regenwasser vollgelaufen ist. Nach starken Regenfällen fanden wir sie kaputt am Boden wieder, sie hatte dem Gewicht des Wassers nachgegeben.

Geschichte
Geschichte ist das Zeugnis davon, wie wir geworden sind, sie ist Teil unserer Identität. Wenn wir reparieren, anstatt wegzuschmeißen oder abzureißen, erhalten wir die Geschichte und schreiben sie behutsam fort.
Das Schwesternhaus erzählt eine Geschichte von Nutzungen, Ästhetiken und Eigenheiten. Ursprünglich als ein einfaches Bauernhaus mit Scheune gebaut, entwickelt es sich über die Zeit immer wieder weiter. Wohl lange Zeit über mehrere Bauphasen wird es als Schwesternwohnheim für das St. Franziskus-Hospital genutzt, bis es dann seit Anfang der 2000er leersteht.



Ressourcen
In der heutigen Zeit verbrauchen wir ungefähr doppelt so viele Ressourcen, wie uns regenerativ auf diesem Planeten zur Verfügung stehen. Indem wir reparieren, erhalten und wertschätzen, erhalten wir diese Ressourcen, anstatt sie zu verbrauchen.
Im Schwesternhaus entdecken wir viele wertvolle Ressourcen. Angefangen bei den ungenutzten Räumen, die in zentraler Lage absurd erscheinen. Die Bausubstanz steht bis auf ein paar Wasserschäden nicht schlecht da. Glasbausteine, Türen, Fenster aus verschiedenen Zeiten und unterschiedliche Bodenbeläge nach jedem Geschmack.



Verantwortung
Eigentum ist eine seltsame Sache. Wir verständigen uns darauf, wer das Recht und die Verantwortung für etwas hat. Leider geht das nicht immer mit der Fähigkeit und dem Bedarf dazu einher. Reparatur gelingt nur durch Fähigkeit und Verantwortung. Die herkömmlichen Eigentumsformen sind sehr unflexibel und führen zu Spekulation und Verfall.

Für das Schwesternhaus haben wir die Verantwortung in unsere Hände genommen. Wir haben Möbel repariert und einen Raum wieder hergerichtet. Für die Zukunft wünschen wir uns für das Gebäude eine gemeinschaftliche Trägerschaft, die es ermöglicht, die Fähigkeiten und Bedarfe der Menschen mit dem, was das Gebäude anbietet und braucht frei zusammenzubringen.





