Biserka

Biserka

von Johannes Roos, Aljosa TacevskiKategorie: Bachelor, AbschlussarbeitZeitraum: FS 2026Betreuer*innen: Prof. Ragnhild Klußmann, Jun.-Prof. Miriam Hamel

Unsere Arbeit „Biserka“ widmet sich dem Thema Bauen im Bestand. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich ein bestehender Gebäudekomplex verstehen, analysieren und auf dieser Grundlage weiterentwickeln lässt. Unter dem Motto „Entwerfen auf der Baustelle“ reisten wir nach Kroatien, ohne ein vorgefertigtes Konzept für den Gebäudekomplex aus Hauptwohnhaus, Küche und Badezimmer. Lediglich Werkzeug hatten wir dabei, da wir mindestens eines der Gebäude in Eigenleistung bearbeiten wollten.

Bewusst verzichteten wir auf eine vorherige Planung der Umgestaltung, um intuitiv und situationsbezogen am Bestand entwerfen zu können. Ziel war es nicht, ohne Konzept draufloszubauen, sondern notwendige Eingriffe unmittelbar während des Bauprozesses zu entwickeln und auf die sich verändernden räumlichen und konstruktiven Bedingungen zu reagieren.

Zu Beginn entschieden wir uns für das Küchengebäude, das sich als kleiner, eigenständiger und räumlich isolierter Bereich besonders gut für die Erforschung neuer Ansätze der Raumgestaltung eignete. Bei der Bestandsaufnahme zeigte sich, dass insbesondere die Wände und das Dach in einem bedenklichen Zustand waren. Daher beschlossen wir, das Dach zu sanieren und die Feuchtigkeitsschäden an den Wänden zu beheben.

Grundriss Bestand 1.OG
Schnitt

Aufgrund unseres begrenzten Budgets war es notwendig, möglichst viel der vorhandenen Bausubstanz zu erhalten. Gleichzeitig wollten wir die unterschiedlichen „Evolutionsstufen“ des Gebäudes sichtbar machen, anstatt ältere bauliche Elemente zu entfernen oder zu verdecken. Die Materialien und Bauweisen vergangener Generationen sollten weiterhin ablesbar bleiben. Auf Grundlage unserer Analyse entwickelten wir einen optimierten Dachaufbau, der die bestehende Gebäudesubstanz langfristig schützen sollte.

Alle weiteren Eingriffe entstanden situativ auf der Baustelle. Ideen wurden teilweise nach Feierabend weiterentwickelt, die eigentliche Entwurfsarbeit fand jedoch Schritt für Schritt während des Bauens statt. Durch die unmittelbare Verbindung von Planung und Ausführung konnten wir kontinuierlich auf die vorhandene Situation reagieren. Daraus entwickelte sich das detailreiche und unkonventionelle Erscheinungsbild des Gebäudes.

Im zweiten Teil unserer Arbeit übertrugen wir die gewonnenen Erkenntnisse auf das Hauptwohnhaus und erarbeiteten einen entsprechenden Entwurf. Dabei orientierten wir uns an den Prinzipien, die wir zuvor am Küchengebäude entwickelt hatten. Überraschenderweise bedurfte es kaum weiterer grundlegender Überlegungen oder Diskussionen, da sich durch die praktische Arbeit bereits ein konkretes Regelwerk herausgebildet hatte. Aus einemzunächst intuitiven und situationsbezogenen Prozess war somit eine nachvollziehbare Entwurfsmethodik entstanden, die sich auf das zweite Gebäude übertragen ließ.