BACK:LAB -künstlerische Forschung im Hinterhof der Stadt

BACK:LAB – künstlerische Forschung im Hinterhof der Stadt

Kategorie: Bachelor, Master, Forschung, Architektur, GeographieZeitraum: HS 2025/26Betreuer*innen: Jun.-Prof. Miriam Hamel, Neja Häbler, Prof. Dr. Eva Nöthen (Universität Bonn)

Mitten in der Bonner Innenstadt entsteht seit September 2025 ein Ort für Begegnung, Austausch und experimentelle Stadtgestaltung: Im BACK:LAB – Labor für künstlerische Stadtforschung erforschen Studierende aus dem Fachbereich Architektur der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft und dem Geographischen Institut der Universität Bonn gemeinsam mit Anwohner*innen, Gewerbetreibenden und Interessierten den Marthashof – einen im Herzen der Stadt verborgenen und zugleich umstrittenen Hinterhof zwischen Bertha-von-Suttner-Platz, Kölnstraße, Langstraße und Sandkaule.

Der Marthashof ist ein heterogener Stadtraum, in dem sich unterschiedliche Nutzungen und Interessen überlagern. Auf engem Raum treffen Anwohnerinnen, Gewerbetreibende, Passantinnen und Parkende aufeinander, ebenso wie informelle Nutzungen und nicht-menschliche Stadtbewohner*innen. Zwischen parkenden Fahrzeugen, gewerblicher Logistik und infrastrukturellen Anforderungen entstehen Nutzungskonflikte, die auf tieferliegende soziale, ökologische und ökonomische Spannungen verweisen. Zugleich führen die weitgehend versiegelten Flächen zu ökologischen Belastungen wie eingeschränkter Versickerung von Niederschlägen und der Ausbildung städtischer Hitzeinseln

Vor diesem Hintergrund wurde BACK:LAB als interdisziplinäres Lehr-Forschungsprojekt initiiert und von September bis Dezember 2025 durch den Verfügungsfonds des Innenstadtmanagements der Stadt Bonn gefördert. Ziel war es, den Marthashof als Zwischen- und Konfliktraum durch ko-kreative, künstlerisch-forschende Strategien differenziert zu erschließen und neue Perspektiven für seine zukünftige Entwicklung zu eröffnen.

Ausgangspunkt bildete eine angemietete Garage am Marthashof, die als BACK:LAB zum zentralen Lern-, Dialog- und Experimentierraum wurde. Hier wurden Formen inklusiver Teilhabe, gemeinsames Gestalten und neue Formen des Zusammenarbeitens erprobt. Im Mittelpunkt stand weniger die Entwicklung eines konkreten Entwurfs als vielmehr die Frage, wie sich ein scheinbar unscheinbarer Stadtraum in seinen materiellen, atmosphärischen, sozialen und symbolischen Dimensionen wahrnehmen, befragen und neu denken lässt.

In interdisziplinären Teams untersuchten Bachelor- und Masterstudierende aus Architektur und Geographie den Marthashof mit künstlerisch-forschenden Methoden. Im Bachelor entstanden Interventionen und Werkzeuge zur Aneignung des Raums im Maßstab 1:1, mit denen räumliche Situationen unmittelbar verändert und erfahrbar gemacht wurden. Im Master wurde der Ort durch Gespräche, Interviews, Beobachtungen, kartografische Analysen sowie fotografische, filmische und performative Verfahren untersucht. Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven auf Themen wie Stadtgrün, Mobilität, Licht, Emotionen, Abfall und Nutzungskonflikte sichtbar und miteinander in Beziehung gesetzt

Eine zentrale Rolle spielte das wöchentliche Dialogformat TEE | ZEIT, zu dem Anwohnerinnen, Bürgerinnen und Interessierte ins BACK:LAB eingeladen wurden. In offenen Gesprächen wurden Perspektiven ausgetauscht, Erfahrungen geteilt und Ideen für die Zukunft des Ortes entwickelt. In der abschließenden WERK | SCHAU präsentierten die Studierenden ihre Arbeiten im Innen- und Außenraum und machten die entstandenen Erkenntnisse und Visionen öffentlich sichtbar und diskutierbar.

BACK:LAB zeigt, dass künstlerische Forschung urbane Räume als gemeinsame Lern- und Aushandlungsräume erfahrbar machen kann. Der Marthashof wurde dabei nicht nur untersucht, sondern als ko-kreativer Experimentierraum neu gelesen – mit dem Ziel, Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte sowie klimagerechte Stadtentwicklung zu geben.